Halbjahresbericht 2019

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, sehr geehrte Damen und Herren

Feintool verzeichnet in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2019 in einem herausfordernden Marktumfeld einen Umsatzrückgang von 1.6 Prozent. Der Rückgang aus dem laufenden Serien- und Anlagegeschäft und negative Währungseffekte konnten erfreulicherweise durch zusätzliche Umsätze aus der Akquisition des Bereichs Elektroblechstanzen und durch Hochläufe neuer Teileaufträge weitgehend kompensiert werden.

Das Geschäft des Segments System Parts, mit der Serienherstellung anspruchsvoller Präzisionskomponenten, konnte leicht zulegen, blieb aber im Vergleich zu den Vorjahreszahlen unter den Erwartungen. Das Segment der Investitionsgüter mit Pressen und Anlagen verzeichnete einen erheblichen Auftragsrückgang. Dies widerspiegelt die allgemeine Marktlage, die eine Zurückhaltung bei Investitionsgütern zeigt.

Unsicheres Marktumfeld

Während 2018 noch ein Rekordjahr für Feintool darstellte, belasten zunehmend konjunkturelle und politische Unsicherheiten das Marktumfeld. Strengere Umweltvorgaben und damit zusammenhängende Testzyklen verzögern Auslieferungen/Markteinführungen von neuen Fahrzeug­modellen. Sich verändernde Handelsströme und Diskussionen über die Zukunft des Verbrennungsmotors, der Hybridtechnik, von Elektrofahrzeugen und allgemein der Mobilität wirken sich auf die Entwicklung der Branche und das Verhalten der Marktteilnehmer aus. All diese Faktoren wirken sich unterschiedlich auf den Absatz in den wichtigsten Regionen aus. So ging der Absatz im Pkw-Markt laut dem Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) im ersten Halbjahr 2019 weltweit zurück. In Europa und den USA wurden 3% bzw. 2% weniger Fahrzeuge abgesetzt als im Vorjahr. Der Absatz im chinesischen Markt reduzierte sich um 14%. Der Maschinenmarkt folgte dieser Entwicklung weltweit mit geringerer Investitionsbereitschaft. Feintool beobachtet die Marktlage sehr genau und initialisiert an die einzelnen Regionen angepasste Massnahmen. Damit reagiert Feintool auf die aktuellen Marktgegebenheiten und optimiert seine Standorte an die jeweiligen Herausforderungen und treibt gleichzeitig Innovationen voran.

Als Partner für präzise und hochvolumige Feinschneid-, Umform- und Elektroblechteile ist Feintool weiterhin in allen relevanten Anwendungen im Vergleich zum Wettbewerb sehr gut aufgestellt. Dazu gehören insbesondere auch Anwendungen im Antriebsstrang und bei den Sitzmechanismen. Gerade im Antriebsstrang ist das Portfolio von Feintool über Teile für Stufenautomaten, Doppelkupplungsgetriebe sowie auch für den Allradantrieb breit diversifiziert. Darüber hinaus ist Feintool mit der Akquisition einer Gesellschaft zur Herstellung von gestanzten Elektroblechen für Elektromotoren hervorragend auf Veränderungen im Markt vorbereitet. Die zu erwartende Regulierung treibt komplexe Hybridfahrzeuge voran. Diese vereinen verschiedene Komponenten wie Doppelkupplung, Elektromotor und Allrad. Auch Elektrofahrzeuge und die vermehrte Umstellung auf Automatikgetriebe im Zusammenhang mit autonomen Fahrzeugen wirken sich positiv auf den langfristigen Bedarf an Feinschneid- und Umformteilen sowie Elektroblechkomponenten aus.

Fineblanking Technology: Forschung und Entwicklung

Feintool entwickelte im ersten Halbjahr die hydraulische Pressengeneration FB one weiter und wird die Baureihe um weitere Varianten ergänzen. In Zukunft können die kompletten Baugrössen von 4 000 kN bis 11 000 kN aus dem eigenen Werk für Pressenbau im schweizerischen Jona geliefert werden. In der neuen Pressenreihe steckt eine Vielfalt hochkomplexer Innovationen, die umfassende Testphasen nach sich ziehen. Um keine Risiken gegenüber Kunden einzugehen, wurde der ursprünglich vorgesehene Rollout in die zweite Jahreshälfte verschoben. Die Strategie beeinflusst dies nicht: Feintool treibt den Ausbau und die Weiterentwicklung des Pressenkompetenzzentrums weiter voran. Für den Erfolg vollständig selbstentwickelter Feintoolpressen spricht ebenfalls der Absatz der Pressenreihe XFT 2500speed. So konnte Feintool im ersten Halbjahr die fünfzigste Presse erfolgreich an einen Kunden ausliefern.

Im Bereich der Forschungs- und Entwicklungsprojekte konnte Feintool das Projekt für die Herstellung von Bipolarplatten, die in Brennstoffzellen zum Einsatz kommen, weiter forcieren. Mittler­weile ist es gelungen, die Machbarkeit unter Beweis zu stellen und ein Produktionskonzept zu entwickeln. Der Besuch einer Messe für Elektroblechstanzen und Wasserstoff/Brennstoffzellen in China stiess auf grosses Interesse.

System Parts: Auf- und Ausbau

Durch die Integration von vor- oder nachgelagerten Produktionsschritten verbessert Feintool nicht nur die Geschäftsprozesse, sondern sichert damit langfristig den wirtschaftlichen Erfolg. Die vertikale Integration optimiert nicht nur die Wertschöpfungs- und Lieferketten, sondern schafft darüber hinaus Wettbewerbsvorteile durch hohes Know-how in allen Wertschöpfungsstufen. Ein Beispiel ist das Umformwerk in Ohrdruf, Deutschland. Dort wurde in das eigene Härteverfahren von Teilen erheblich investiert. So stellt das Werk nun Umformteile nicht nur her, sondern kann diese gleich vor Ort weiterverarbeiten und einbaufertig an die Kunden ausliefern. Seit Ende des letzten Jahres sind verschiedene Härteverfahren mit neusten Anlagen in Betrieb.

Erfreulich entwickelt sich der Aufbau des jüngsten europäischen Standorts in Most, tschechische Republik. Der erst vor rund einem Jahr eröffnete Feinschneidbetrieb beschäftigt derzeit 50 Mitarbeitende, die das Werk kontinuierlich in Betrieb nehmen. Ab diesem Standort werden dieses Jahr bereits erste Serienteile ausgeliefert und es konnten weitere Musterteile zur Abnahme für die Serienproduktion durch Kunden bereitgestellt werden.

Mitte Mai präsentierte Feintool am CTI Symposium in Novi, Michigan, die FeinClutch-Technologie. Diese wird dem wachsenden Bedürfnis nach leichten, einbaufertigen Antriebskomponenten für automatisierte Getriebe gerecht. Die Technologie erlaubt es, Kupplungslamellen sowohl mit der Geschwindigkeit des konventionellen Stanzens als auch mit der Qualität eines Feinschneideteils herzustellen.

Ausblick

Aufgrund der weiterhin politischen und zunehmend wirtschaftlichen Unsicherheiten rechnet Feintool damit, dass sich diese auf die erwarteten Umsätze in allen Regionen und Märkten belastend auswirken werden. Ausmass und Dauer dieser negativen Einflüsse sind derzeit schwer abschätzbar, sodass Feintool vorerst auf einen quantitativen Ausblick für das ganze Geschäftsjahr 2019 verzichtet. Im zweiten Halbjahr 2019 geht Feintool von einer unverändert schwierigen Marktlage aus, dennoch wird im Geschäftsjahr 2019 ein nachhaltig positives Nettoergebnis erwartet. Für die kommenden Jahre, unter anderem aufgrund im laufenden Geschäftsjahr gewonnenen Kundenprojekten und Marktanteilen, rechnet Feintool in allen Regionen mit weiterem Wachstum.

Alexander von Witzleben

Verwaltungsratspräsident

Knut Zimmer

Chief Executive Officer