GESCHÄFTSBERICHT 2017

Marktspiegel

Feintool findet ideale Rahmenbedingungen vor, um weiter ­erfolgreich am Markt zu agieren. Dafür sorgt der anhaltende ­Anstieg der Konjunktur sowie speziell die gute Situation der Automobilindustrie, Feintools grösster Kundengruppe. Diese ist zugleich von Umbrüchen geprägt, die Feintool neue Chancen eröffnen.

Das steigende Weltwirtschaftswachstum bietet Feintool eine exzellente Ausgangslage: 2017 stieg es dem Internationalen Währungsfonds zufolge um 3.6 Prozent, für 2018 erwartet die Organisation ein Plus von 3.7 Prozent. Vor allem Feintools grösste Kundengruppe, die Automobilindustrie, befindet sich weiterhin auf Wachstumskurs. Gemäss der Marktforschungsagentur LMC Automotive hat die weltweite Produktion von Automobilen bis 3.5 Tonnen Gesamtgewicht 2017 im Vergleich zum Vorjahr um rund 2.4 Prozent zugenommen. In den Feintool-Kernmärkten Europa und Japan legte sie um 3.4 Prozent beziehungsweise 5.2 Prozent zu. In China hingegen verzeichnete die Automobilproduktion nur einen vergleichsweise leichten Zuwachs von 1.4 Prozent, in den USA ging sie um 8.1 Prozent zurück. Trotzdem konnte Feintool auch in diesen beiden letztgenannten Ländern Marktanteile gewinnen und damit weiter wachsen, was insbesondere auf einen Zuwachs in dem für Feintool wichtigen Segment der SUV (USA: +1%, China +46%, global +14.1%) und im Bereich der allradgetriebenen Fahrzeuge (USA +0.4%, global +4.4%) zurückzuführen ist. Hinzu kommen Feintools Stärken, die insbesondere in einem Umfeld, das von Konsolidierung und Kostendruck geprägt ist, zum Tragen kommen. Die Feinschneidtechnologie bietet schliesslich Lösungen, um die Effizienz zu erhöhen – bei gleichbleibender oder sogar steigender Qualität.

Aufschwung und Umbruch

Die weitere Wirtschaftsentwicklung spricht dafür, dass 2018 ebenfalls ein erfolgreiches Jahr für Feintool wird. Marktanalysen von BMI Research und des Center for Automotive Research (CAR) der Universität Duisberg-Essen sagen für 2018 eine weiterwachsende Dynamik für den weltweiten Pkw-Absatz voraus. Zugleich befindet sich die Automobilbranche im Umbruch, was in den kommenden Jahren zu nachhaltigen Änderungen führen wird. Trends hin zu Hybrid- und Elektroantrieben, CO2-Reduzierung und Leichtbau, Car-Sharing, Autonomes Fahren, Vernetzung sowie steigender Kostendruck in der Produktion bestimmen das Marktgeschehen.

Alternative Antriebe

OEMs legen ihren Entwicklungsfokus schon seit einigen Jahren zunehmend auf die Elektrifizierung. Dies liegt unter anderem an ehrgeizigen politischen Zielen: In der EU sollen beispielsweise die CO2-Flottenemissionen gegenüber den Vorgaben für 2021 bis zum Jahr 2030 um weitere 30 Prozent sinken. Mehrere Staaten, zuletzt Indien, haben angekündigt, bis zu einem Zeithorizont von 2025 oder 2030 rein verbrennungsmotorgetriebene Fahrzeuge auf ihrem jeweiligen Markt verbieten zu wollen.

Auf dem Weg zur kompletten Elektrifizierung des Privatverkehrs wird ein Grossteil der Neufahrzeuge Hybridtechnologie beinhalten. Während der weltweite Produktionsanteil von Hybridantrieben bei Pkws und leichten Nutzfahrzeugen bis zu 3.5 Tonnen im Jahr 2017 bei 3.3 Prozent lag, wird dieser laut LMC Automotive bis 2022 auf deutlich über 11 Prozent ansteigen. Die Strategieberatung Boston Consulting Group rechnet in ihrem Report „The Electric Car Tipping Point“ bis 2025 mit einem Marktanteil von 18 Prozent für Hybride. 2030 soll der Anteil bereits auf 34 Prozent angestiegen sein.

Für Feintool ist diese Entwicklung in mehrfacher Hinsicht positiv.

– Hybridsysteme beinhalten immer auch einen Verbrennungsmotor sowie meist ein Automatikgetriebe und zusätzlich systemspezifische, rotationssymmetrische mechanische Komponenten. Hier ergeben sich für Feintool zahlreiche Absatzmöglichkeiten.

– Die Elektrifizierung des Antriebsstranges öffnet für Feintool neue Chancen bei innovativen Komponenten. In Entwicklungsprojekten – auch in Kooperation mit Lieferanten und Kunden – arbeitet Feintool daran, die Feinschneidtechnologie auch bei neuartigen Bauteilen einzusetzen.

– Durch die zunehmende Elektrifizierung wird die weltweite Produktionsmenge von Komponenten steigen, deren Volumina bis dato zu klein und damit zu unwirtschaftlich für die Feintool-Technologie waren: beispielsweise Komponenten für Batteriekühlungen oder für Wasserstoffzellen. Ihre steigende Produktionsmenge prädestinieren sie für Feintools Herstellungsprozesse.

Trotz der voranschreitenden Elektrifizierung wird der Verbrennungsmotor in den nächsten Jahren nach wie vor den Grossteil des Produktionsvolumens ausmachen. Laut LMC Automotive wird der Produktionsanteil von reinen Benzin-, Diesel- und Gasantrieben bei Pkws bis zu 3.5 Tonnen im Jahr 2018 bei 94.4 Prozent liegen. In den kommenden fünf Jahren soll er zwar kontinuierlich sinken. 2023 liegt er der Prognose zufolge dann aber immer noch bei 84.2 Prozent. Damit bleibt der Bedarf an Feinschneid- und Umformteilen auch in ihrer jetzigen Form auf hohem Niveau.

Energieeffizienz und Leichtbau

Die Automobilindustrie erlebt seit einigen Jahren einen Trend hin zum Leichtbau, um den CO2-Ausstoß der Fahrzeuge zu senken. Dadurch werden Bauteile in Automobilen kleiner, leichter und zugleich stabiler. Da sie somit komplexer in der Herstellung werden, ergeben sich zahlreiche Chancen für Feintool und die Feinschneidtechnologie, die durch hohe Präzision und Wirtschaftlichkeit besticht.

Autonomes Fahren

2018 wird zu einem Schlüsseljahr für selbst fahrende Automobile: Die Level-2-Technologie wird sich weiterverbreiten und die ersten Fahrzeuge werden Autonomielevel 3 erreichen. Die Unternehmensberatung A.T. Kearney hat in einer Studie ermittelt: Die autonome Fahrzeit – die Minuten also, in denen die künstliche Intelligenz des Bordcomputers das Steuer übernimmt – wird 2025 schon bei 87 Milliarden Minuten liegen. Im Jahr 2030 könnten Autos dann bereits fast 1.9 Billionen Minuten weltweit im „Self-Driving“-Modus unterwegs sein. 2035 sollen es über 5.1 Billionen Minuten sein.

Mit der höheren Autonomie steigt auch die Komplexität der Fahrzeuge. So werden beispielsweise Automatik­getriebe zum Standard, die für Feintool einen wichtigen Absatzmarkt darstellen. Ebenso findet der Allradantrieb zunehmend Einzug in alle Fahrzeugklassen, da dieser unter anderem ein erweitertes Kontrollfeld für autonome Anwendungen erlaubt. Feintool ist auch bei diesen Produkten gut positioniert, um den Trend mitzugehen und mitzugestalten.

Shared Mobility

In sämtlichen Prognosen wird der Markt für Sharing Services in den kommenden Jahren stark wachsen. Hierbei wird nicht das Fahrzeug, sondern die Dienstleistung eines Personentransportes verkauft. Die Marktforscher von Frost and Sullivan etwa erwarten für die Zeit zwischen 2015 und 2025 einen Zuwachs von 16.4 Prozent pro Jahr bei den Teilnehmern – von rund 7 Mio. auf dann weit über 30 Mio. Nutzer. Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC prophezeit: 2030 wird jeder dritte gefahrene Kilometer in Europa im „Sharing“ zurückgelegt.

Dies führt implizit dazu, dass weniger Fahrzeuge in den entsprechenden Gebieten gleichzeitig zugelassen sein müssen und daher tendenziell auch weniger Fahrzeuge verkauft werden. Bei näherer Betrachtung ist das jedoch zu relativieren. Folgende Punkte unterstreichen, warum der Markt für Automobile weiterwachsen wird.

– Fahrzeuge, die für Shared Mobility Services eingesetzt werden, legen im gleichen Zeitraum wesentlich weitere Strecken zurück als ein privates, nur vom Besitzer gefahrenes Fahrzeug. Damit ist die Verschleissgrenze früher erreicht, und es muss nach kürzerer Zeit ein neues Fahrzeug das alte ersetzen. PwC geht davon aus, dass die Zahl der jährlichen Neuzulassungen in Europa bis 2030 um ein Drittel auf mehr als 24 Millionen Autos steigen könnte. Nur so liesse sich der zusätzliche Verschleiss durch das Car-Sharing kompensieren.

– Konsumenten sehen im Car-Sharing häufig keinen Ersatz für das eigene Automobil, sondern eine Ergänzung. Beispiel Deutschland: Die Unternehmensberatung Capgemini hat im Report „Beyond the Car“ ermittelt, dass jeder zweite Deutsche Mobilitätsangebote wie unter anderem Car-Sharing als komplementär zum eigenen Pkw sieht.

– Die individuelle Mobilisierung der Emerging Markets ist noch längst nicht abgeschlossen. PwC schätzt, dass die Wachstumsmärkte in den Jahren 2016 bis 2023 für einen Anstieg der jährlichen Pkw-Produktion um 18.8 Millionen Fahrzeuge sorgen werden.

Für Feintool ist es wichtig, in dieser Konstellation in allen wichtigen Produktionsmärkten präsent zu sein oder diese sehr einfach beliefern zu können. Die globale Präsenz bei den Kunden wird daher sowohl mittels eines gestärkten Key Account Managements als auch dem weiteren Ausbau der weltweiten Standorte gefördert.

Vernetzung

Mit der erhöhten Autonomie schreitet auch die digitale Vernetzung des Automobils in grossen Schritten voran. Die Beratungsgesellschaft Deloitte erwartet, dass der europäische Markt für Connected Car Services (CCS) bis 2021 um mehr als das Elffache wachsen wird – von 62 Mio. Euro im Jahr 2016 auf schätzungsweise 715 Mio. Euro im Jahr 2021.

Dank der erhöhten Autonomie und Vernetzung können Autofahrer in Zukunft anderen Beschäftigungen nachgehen – zum Beispiel E-Mails beantworten oder Filme anschauen. Daher wird von Fahrzeuginnenräumen noch mehr Wandelbarkeit erwartet werden. Feintool setzt hier an: Erhöhter Komfort geht schliesslich unter anderem einher mit einer feineren Sitzverstellmechanik, damit Fahrer bequem von der Fahr- in die Arbeits- oder Entspannungs­position wechseln können. Dies lässt sich ideal mit der Feinschneidtechnologie in grossen Volumen realisieren.

Effiziente Produktion

Die Automobilindustrie erweitert stetig ihre Modellpalette, um Kunden bestmöglich bedienen zu können. Nach Schätzungen der US-Investmentbank Merrill Lynch werden zwischen 2018 und 2021 jährlich 21 Prozent der US-Pkw-Produktion auf neu eingeführte Modelle entfallen. Zwischen 1998 und 2017 lag diese Rate bei nur 16 Prozent. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Modells am Markt sinkt also. Weil Modell-Plattformen kostspielig sind, steigt daher der Druck weiter, diese zu vereinheitlichen und so ihre Zahl niedrig zu halten. Grundsätzlich herrscht in der Automobilindustrie ein hoher Kostendruck, der die gesamte Lieferkette vom OEM bis hin zum Teilelieferanten betrifft. Die Feinschneidtechnologie ist hier ein wichtiger Hebel, um komplexe Bauteile in hohen Mengen präzise und wirtschaftlich herstellen zu können.

Ausblick

Die Prognosen zeigen, dass Feintool sich in einem vorteilhaften Marktumfeld bewegt. Das Wachstum der Automobilproduktion sowie der Branchenwandel ermöglichen Feintool, zusätzliche Marktanteile im Kerngeschäft zu gewinnen sowie neue Geschäftszweige mit Fokus auf die grossen Trends zu erschliessen. Vor diesem Hintergrund blickt Feintool mehr als zuversichtlich in die Zukunft.