GESCHÄFTSBERICHT 2017

Alexander von Witzleben

Knut Zimmer

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, sehr geehrte Damen und Herren

Wir freuen uns, Ihnen auch in diesem Jahr wieder gute Nachrichten berichten zu dürfen: Feintool konnte den Umsatz und Gewinn im Jahr 2017 erneut steigern. Diesen Erfolg verdanken wir unserer langfristigen Strategie und einem guten Marktumfeld.

Der Umsatz der Feintool-Gruppe erhöhte sich im Vorjahresvergleich um 10.9 Prozent auf CHF 612.3 Mio. Währungsbereinigt und ohne Akquisitionseffekt entspricht dies einem organischen Wachstum von 8.1 Prozent. Das Konzernergebnis – ohne die Sondereffekte des Vorjahres – stieg leicht auf CHF 27.7 Mio. Die Eigenkapitalquote betrug 42.7 Prozent. Wir möchten unsere Aktionärinnen und Aktionäre an diesem Erfolg teilhaben lassen, deshalb wird der Verwaltungsrat der Generalversammlung eine Dividende von CHF 2.00 je Aktie vorschlagen.

Erfreuliche Nachrichten aus den Segmenten

Das Segment System Parts – der Geschäftsbereich, in dem wir Feinschneid- und Umformteile für die Industrie herstellen – ist ein wesentlicher Treiber dieses Erfolges. Dies liegt vor allem an der guten wirtschaftlichen Situation unserer grössten Kundengruppe: der Automobilindustrie. Die weltweite Automobilproduktion ist auch 2017 wieder gestiegen – und somit auch die Nachfrage nach Feinschneidteilen, die in den Kraftfahrzeugen verbaut werden. Hinzu kommt die Tendenz, immer mehr Pkw mit Automatikgetrieben auszustatten. Dies eröffnet Feintool ebenso neue Absatzmöglichkeiten wie die Trends hin zu CO2-Reduzierung, Energieeffizienz und Leichtbau. Die immer kleineren, leichteren und somit auch komplexeren Bauteile lassen sich durchs Feinschneiden präzise und wirtschaftlich in hohen Stückzahlen herstellen.

Auch das Feinschneidpressen- und Werkzeuggeschäft im Segment Fineblanking Technology entwickelte sich positiv. 2017 verbuchte der Bereich die meisten Auftragseingänge seit acht Jahren. Somit startete der Pressenbau gestärkt ins Jahr 2018. Dies ist erfreulich, da er den Innovationsträger unseres Unternehmens darstellt und eine wichtige Säule unserer Technologieführerschaft bildet. Aktuell macht er gut 10 Prozent des Feintool-Umsatzes aus, was unter an­derem am grossen Wachstum des System-Parts-Segments bei gleichzeitiger Marktkonsolidierung auf Kundenseite liegt. Vor diesem Hintergrund sind wir bestens aufgestellt und wir werden unsere Position im kommenden Jahr mit zahlreichen Neuentwicklungen weiter ausbauen.

Gezielte Investitionen

Unsere Erfolge verdanken wir unserer fokussierten, langfristigen Strategie, die wir seit 2010 konsequent umsetzen. Wir konzentrieren uns seitdem technologisch auf das Feinschneiden und Umformen sowie international auf die Märkte Europa, Nordamerika und Asien. Alle unsere Aktivitäten zielen darauf ab, unsere Position innerhalb dieser Technologien und Märkte stetig zu festigen und auszubauen. Allein 2017 haben wir – inklusive einer Akquisition – rund CHF 90 Mio. investiert. Dieser Betrag floss vor allem in den Ausbau der neuen Produktionsstandorte im chinesischen Tianjin, im deutschen Oelsnitz und im tschechischen Most. An dieser Stelle möchte ich unser neues Werk in China besonders hervorheben, da wir damit eine wichtige strategische Lücke geschlossen haben. Denn nun sind wir auch mit dem Umformen in China vertreten, bieten diese Technologie somit weltweit an und haben unsere Wertschöpfungstiefe nochmals erhöht. Die Investitionen sind ganz im Sinne der Feintool-Strategie, stets dort zu produzieren, wo auch die Standorte unserer Kunden sind. Und mit den neuen Werken kommt Feintool der zunehmenden Nachfrage in diesen Weltregionen entgegen.

Stabiles Umfeld

Ereignisse, die die öffentliche Wahrnehmung und die Nachrichtenlage 2017 geprägt haben, haben sich auf Feintool kaum bis gar nicht ausgewirkt. Dies zeigt sich beispielsweise an den Abgasmanipulationen an Dieselfahrzeugen. Eine Verschiebung der Automobilproduktion hin zu Benzinern spielt für Feintool kaum eine Rolle, da der Bedarf an Feinschneid- und Umformteilen in einem Fahrzeug unabhängig vom Kraftstoff besteht. Auch protektionistische Tendenzen in den USA hatten keine Auswirkungen auf Feintool, da wir dort kein Importeur, sondern Netto-Exporteur sind.

Unsere grösste Kundengruppe, die Automobilindustrie, ist derzeit geprägt von grossen Veränderungen – allen voran durch die Diskussion um die Elektrifizierung. Diese Entwicklung hat jedoch aktuell kaum Auswirkungen auf Feintool: Klassische, rein auf Verbrennungsmotoren basierende Antriebskonzepte werden aktuell in weltweit mehr als 95 Prozent der Automobile verbaut. Pro­gnosen zeigen, dass diese auch kurz- und mittelfristig den wesentlichen Teil der Produktion ­ausmachen werden. Ihr Anteil soll jedoch in den kommenden Jahren vor allem zugunsten von Hybridantrieben sukzessive sinken. Da diese auch immer einen Verbrennungsmotor mit ent­sprechenden Antriebsstrang beinhalten, erwarten wir, dass die aktuelle Nachfrage nach Feinschneid- und Umformteilen daher ungebrochen bleiben wird. Zugleich sehen wir neue lang- fristige Ent­wicklungen bei Antriebskonzepten und bereiten uns darauf vor. Für die Feinschneidtechnologie eröffnen sich neue Einsatzmöglichkeiten, auf die wir bereits mit zahlreichen Ent- wicklungspro­jekten – auch in Kooperation mit Kunden und Lieferanten – hinarbeiten.

Auch unser Geschäft rund um Chassis und Innenraum wächst weiter. Dank den Entwicklungen hin zum autonomen Fahren und zunehmender Vernetzung können sich Fahrer im Automobil schliesslich künftig anderen Tätigkeiten als dem Lenken des Fahrzeugs widmen. Dies bringt erweiterte Anwendungsfelder für die Feinschneidtechnologie mit sich. Erhöhter Komfort geht beispielsweise mit einer feineren Sitzverstellmechanik einher, für die Feintool die nötigen Teile liefert.

Knut Zimmer ist neuer CEO

Auf Feintool wartet also eine spannende und erfolgreiche Zukunft, in die uns Knut Zimmer als CEO führen soll. Damit wechselt eine Persönlichkeit aus der Feintool selber in die oberste Führungsposition, die in den letzten Jahren bereits grosse Erfolge für die Gruppe zu verzeichnen hatte. Er stiess im Jahre 2012 – im Rahmen der Akquisition von Herzing + Schroth GmbH u. Co. KG (heute Feintool System Parts Obertshausen GmbH) – zu Feintool. Nach Abschluss der Integration führte er erfolgreich den aus der Akquisition neu entstandenen Bereich Forming Europe, darüber hinaus ist Knut Zimmer seit 2017 für das gesamte europäische Teilegeschäft der Feintool-Gruppe zuständig.

Mit ihm als neuen CEO setzen wir daher auf Kontinuität. Seine Aufgabe ist es, den bisherigen Wachstumskurs der Gruppe fortzuführen sowie die neuen Standorte 2018 zu einer genauso hohen Auslastung und Profitabilität zu führen wie die bestehenden Werke.

Ausblick und Dank

Für das Geschäftsjahr 2018 erwarten wir die Fortsetzung der positiven Geschäftsentwicklung, allerdings in einem von politischen Unsicherheiten geprägten Marktumfeld. Insgesamt erwarten wir einen Umsatz von CHF 630 bis 650 Mio. und eine EBIT-Marge von 7.5 bis 8.0 Prozent.

Unser Dank gilt unseren Kunden, Lieferanten sowie Aktionärinnen und Aktionären, deren entgegengebrachtes Vertrauen uns stets motiviert, unseren Anspruch „Expanding Horizons“ in Taten umzusetzen. Dies ermöglichen täglich unsere Mitarbeitenden, denen ebenfalls unser besonderer Dank gilt. Mit ihnen werden wir ein erfolgreiches Jahr 2018 beschreiten.

Alexander von Witzleben

Verwaltungsratspräsident