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Geschäftsbericht 2016

BRUNO MALINEK

ALEXANDER VON WITZLEBEN

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, sehr geehrte Damen und Herren

Feintool hat den Wachstumskurs auch 2016 fortgesetzt und die anspruchsvollen Herausforderungen im letzten Geschäftsjahr erfolgreich bewältigt. Die klare strategische und internationale Ausrichtung auf Feinschneiden und Umformen sowie ein weiterhin erfreuliches Marktumfeld haben sich in einem positiven Gesamtergebnis niedergeschlagen.

Der Umsatz der Feintool-Gruppe erhöhte sich um 8.5 % auf CHF 552.2 Mio. Währungsbereinigt entspricht dies einer Steigerung von 5.9 %. Das Konzernergebnis betrug CHF 32.1 Mio., die Eigenkapitalquote 43.3 %. Vor diesem Hintergrund wird der Verwaltungsrat der Generalversammlung eine Dividende in der Höhe von CHF 2.00 je Aktie vorschlagen.

Anspruchsvolle Rahmenbedingungen

Von schwierigen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen im vergangenen Jahr war Feintool nur in geringem Ausmass betroffen. Der geplante Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union hatte kaum Folgen für uns. Die Abgasmanipulationen bei Dieselfahrzeugen in den USA dagegen waren für uns zwar leicht spürbar, die reduzierten Aufträge sind jedoch durch höhere Abrufe anderer Kunden kompensiert worden. Allerdings verursachten die deutlich gestiegenen Stahlpreise einen zusätzlichen Kostendruck auf unsere Produktion.

Auch die Entwicklungen im Währungsumfeld beeinflussten Umsatz und Ergebnis von Feintool nachhaltig. Die Standorte in der Schweiz kämpften im Berichtszeitraum noch immer mit den Auswirkungen der starken Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber allen Währungen im Januar 2015. Obwohl die eingeleiteten Massnahmen erste Resultate zeigen, ist das Ergebnis noch durch Kosten im Zusammenhang mit der Fokussierung der Schweizer Standorte und der damit zusammenhängenden Verlagerung von rund 140 Kundenaufträgen mit höheren manuellen Tätigkeiten an andere Produktionsstandorte belastet.

Andererseits schwächte sich der Schweizer Franken gegenüber fast allen Währungen im 2016 leicht ab. Daraus resultierte – erstmals seit Jahren – ein positiver Umrechnungseffekt. Letztlich verhalf auch die tiefe Bewertung des Euro gegenüber fast allen anderen Währungen den deutschen Autobauern zu erstklassigen Absatzzahlen – vielerorts sogar zu Rekordergebnissen. Als deren Zulieferer profitierte auch Feintool von dieser Entwicklung.

Wachstumstreiber war das Segment System Parts, das insbesondere in Europa und China von der anhaltend steigenden Konjunktur der Automobilindustrie – insbesondere im für Feintool wichtigen mittleren und Premium-Segment – profitieren konnte, die mit Abstand grösste Abnehmerin von Feintool-Produkten und -Leistungen.

Das Investitionsgütergeschäft mit Pressen und Anlagen verzeichnete ebenfalls ein leichtes Umsatzplus, trotz eines schwierigen Umfeldes. Grundsätzlich konnte Feintool die Position auf dem Markt behaupten. Die strategische Ausrichtung des Segments für die Zukunft sieht die Erhöhung des Wertschöpfungsanteils am gesamten Feinschneidprozess vor. Das beinhaltet die auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtete Weiterentwicklung des Pressenportfolios, den Ausbau des Werkzeugangebots sowie zusätzliche Serviceleistungen.

Vorbereitet auf den Kurswechsel in der Automobilindustrie

Anders als in den letzten Jahren waren 2016 die Stimmen in der Automobilbranche unüberhörbar, dass diese Industrie in den nächsten Jahren einen spürbaren Kurswechsel vornehmen wird und muss. Alternative Antriebe (Elektro, Hybrid, Brennstoffzelle) zum bisherigen konventionellen Verbrennungsmotor sind auf dem Vormarsch und sollen gemäss diverser Studien mittelfristig einen signifikanten Anteil am Gesamtmarkt einnehmen.

Feintool sieht in diesen veränderten Rahmenbedingungen zusätzliche Marktchancen und hat auf die Entwicklung reagiert. Feinschneid- und Umformanwendungen in Fahrzeugen mit neuen oder alternativen Antriebsarten sollen ausgebaut werden. Dazu laufen Entwicklungsprojekte, sowohl für alternative Antriebe als auch für neue Applikationen an Fahrzeugen, etwa für Fahrwerk und Chassis. Wir sind überzeugt davon, dass wir – wie in der Vergangenheit auch – diesen strukturellen Wandel am Markt erfolgreich gestalten können.

Parallel dazu werden wir aber selbstverständlich die auch in Zukunft steigende Nachfrage nach Komponenten für den Antriebstrang des konventionellen Verbrennungsmotors bedienen, die insbesondere den anhaltenden Trend zur Energieeffizienz und CO2-Reduktion unterstützen. Der Bedarf der Automobilindustrie an Feinschneid- und Umformkomponenten wird auch in den nächsten Jahren wachsen und ein wettbewerbsintensives Kerngeschäft von Feintool bleiben.

Neuer Standort in Osteuropa

Auf diese Entwicklung ist Feintool vorbereitet. Nachdem die umfangreiche Verlagerung innerhalb unserer europäischen System Parts Standorte nahezu abgeschlossen werden konnte, weiten wir unsere Kapazitäten in Osteuropa aus. Für ein neues Werk wurde Bauland in Most (Tschechische Republik) ausgewählt, das beiden Feintool Segmenten als künftiger Produktionsstandort dienen wird. Die Bauarbeiten beginnen in diesem Geschäftsjahr, der Start des Betriebes ist für Mitte 2018 vorgesehen.

Strategie für Wachstum

Durch die eingeleiteten Entwicklungsprojekte für alternative Antriebsarten bei Automobilen, den Ausbau der Produktionskapazitäten in der Tschechischen Republik, die fortschreitende vertikale Integration von Nachfolgeoperationen in den Feinschneid- und Umformprozess unserer Werke und die weitere Durchdringung dieser Technologien auf den internationalen Märkten hat Feintool eine vielversprechende strategische Basis für weiteres Wachstum geschaffen.

Dieses Wachstum benötigt eine weiterentwickelte Organisationsform des Unternehmens. Vor diesem Hintergrund hat Bruno Malinek, seit September 2016 Nachfolger von Heinz Loosli als CEO, die bestehende Matrixorganisation bei Feintool erweitert. Durch diese vom Verwaltungsrat verabschiedete Massnahme sind auf Gruppenebene neue globale Positionen für den Vertrieb und den Einkauf geschaffen worden. In einer weiteren Phase sind die Funktionen Forschung & Entwicklung sowie Produktion vorgesehen.

Ausblick

Grundsätzlich gehen wir für 2017 von einer positiven Geschäftsentwicklung der Feintool aus, allerdings in einem von politischen Unsicherheiten geprägten Marktumfeld. Ohne die Einflüsse aus der jüngst getätigten Akquisition eines chinesischen Umformwerkes erwarten wir einen Umsatz von rund CHF 580 Mio. und eine EBIT-Marge von 7.5 % – 8 %.

Unser Dank geht an unsere Kunden, Lieferanten sowie Aktionärinnen und Aktionäre. Das uns entgegengebrachte Vertrauen motiviert uns, den Erfolgsweg von Feintool gemeinsam fortzusetzen.

Ebenso bedanken wir uns bei den Feintool-Mitarbeitenden für ihr grosses Engagement. Sie unterstützen damit das Vorhaben, das Unternehmen gemäss unserem Anspruch „Expanding Horizons“ laufend weiterzuentwickeln.

BRUNO MALINEK
Executive Officer
ALEXANDER VON WITZLEBEN
Verwaltungsratspräsident